Geschrieben von Stephan Hildebrand

Lesedauer: ca. 8 Minuten

Illustrationen von Erik van Schoor

#7 Großer Trubel

Seit einigen Stunden marschieren Chipo und Zuri nach Norden. Chipo erzählt seiner Freundin von dem Fluss, der sein Revier im Norden begrenzt. Dort sollen die verschiedensten Tiere zusammenkommen, um zu trinken. Nach einem Regentag sei besonders viel los.

Auf dem Weg macht Chipo nur Rast, um zu fressen. Steine will er erstmal nicht mehr umdrehen. Zuri fliegt hin und wieder empor und hält Ausschau. Gerade landet sie auf Chipos Schulter.

Zuri: Fluss in Sicht! Auf 12 Uhr.

Die beiden marschieren gemeinsam weiter und wenige Minuten später ist auch für Chipo der Fluss in Sichtweite. Links von ihnen grast eine Herde von etwa 50 Zebras. Kurz darauf werden sie von Impala-Antilopen überholt. Die zierlichen Hornträger mit rehbraunem Fell und weißem Bauch sind flott unterwegs und können weit springen. Auf der rechten Seite schreitet eine Gruppe von zwölf Giraffen wie in Zeitlupe zum Fluss. Die größten von Ihnen sind gut sechs Meter hoch. Zuri hat diese Tiere noch nie gesehen.

Zuri: Wow.

Am Fluss angekommen gönnt sich Chipo einen großen Schluck und ein kurzes, abkühlendes Bad. Für einen ausgiebiges Bad geht er jedoch lieber zu seinem Badesee. Hier ist einfach zu viel Trubel. Die beiden gehen den Fluss entlang, um zu Chipos Grenzbaum zu gelangen. Chipo sieht sauer aus.

Chipo: Das kann ja wohl nicht wahr sein. Weg von meinem Baum!

Chipo rast mit den Hörnern voraus auf ein Rudel Löwen zu. Zuri muss sich mit aller Kraft an Chipo festhalten und wäre fast von hinuntergefallen. Die Löwen springen erschrocken auf und flüchten ins hohe Gras. Chipo ist noch ganz aufdreht und kreist wild um seinen Grenzbaum. Es dauert einige Minuten bis sich der Staub gelegt hat.

Chipo: Tzz – Diese Löwen halten sich mal wieder für etwas Besseres. Hier stehen so viele Bäume und genau meinen Baum belagern sie.

Chipo umkreist seinen Baum und verpasst ihm von allen Seiten tiefe Furchen. Plötzlich steht er still und schaut verdutzt.

Chipo: Lobamba! Dieser durchgeknallte Halunke wagt es tatsächlich meinen Grenzbaum zu verschandeln und ein großes „L“ hier rein zu ritzen. Wenn ich den erwische!
Zuri: Wer ist dieser Lobamba?
Chipo: Lobamba gehört das Gebiet hinter diesem Fluss. Ich kenne ihn seit ich klein bin und wir haben manchmal Zoff. Er respektiert keine Grenzen.
Zuri: Au Backe. Das ist nicht schön. Und was willst du jetzt tun?
Chipo: Zuerst einmal werde ich klarstellen, dass das hier mein Revier ist.

Chipo schwingt sein Horn gezielt von links nach rechts und verwandelt das „L“ in ein „C“.

Zuri: Und was jetzt?
Chipo: Warten.
Zuri: Und dann?
Chipo: Wenn er sich blicken lässt verpasse ich ihm eine Abreibung.

Zuri hält das für keine gute Idee. Sie fliegt direkt vor Chipos Nase, breitet die Flügel und will die Situation beruhigen.

Zuri: Sei doch kein Hohlkopf Chipo. Das ist keine Lösung! Sprich mit ihm und kläre das, sonst hast du immer wieder Zopf.
Chipo: Mhrrr. Na gut.

Zuri findet diesen Zoff zwischen Chipo und Lobamba irgendwie kindisch. Sie will aber nicht länger darüber sprechen und beobachtet stattdessen freudig die Tiere im Fluss. Chipo erklärt Zuri alles was er über die Flusspferde, Büffel, Krokodile und Leoparden weiß. Zuri hört gespannt zu, aber sie ist schon nach ein paar Sätzen eingeschlafen. Chipo hat das erst spät bemerkt. Aber er ist auch müde und schließt seine Augen und gähnt ein letztes Mal. „Hua!

Ende