Geschrieben von Stephan Hildebrand

Lesedauer: ca. 8 Minuten

Illustrationen von Erik van Schoor

#10 Versteckspiel

Zola ist als erstes wach und blickt verträumt zu Chipo rüber, der sich in der Nacht wohl unbemerkt noch etwas näher an Zola gelegt hat. Zola scheint das nicht zu stören. Sie blickt auf Chipos vorderen Huf und geht mit ihrem Kopf ganz nah heran. Dann öffnet sie ihr Maul und zupft mit ihren Lippen ganz zärtlich ein paar Dornen aus Chipos Bein. Sie zerkaut sie mit ihren Backenzähnen und schluckt sie hinunter. Anscheinend schmecken sie gar nicht übel. Chipo hat das herauszupfen gekitzelt und er kichert. Zuri wird vom Kichern der beiden wach und wünscht allen einen guten Morgen, auch wenn es in der Savanne gerade Nacht wird.

Zuri: Hey Leute, was machen wir heute?
Zola: Also ich wäre für faulenzen und ein wenig die anderen Tiere beobachten.
Zuri: Laaaaangweilig! Ist ist doch nix los hier.
Chipo: Also ich hätte nix gegen Faulenzen, aber wie wäre es mit einem Versteckspiel?
Zuri: Oh ja. Das klingt spitze!
Zola: Und wer fängt an?

Chipo und Zuri sind sich einig. Es fängt immer der an, der fragt! Alle kichern. Zola dreht sich mit dem Kopf zum Grenzbaum, schließt die Augen und beginnt zu zählen. Chipo und Zuri verstecken sich.

Zola: 28, 29, 30 – Achtung, ich komme!

Zola dreht rasch herum und geht in Richtung Badesee. Dabei schaut sie immer wieder nach links und rechts. Sie sucht zunächst nach Zuri in den Bäumen und dann nach Chipo hinter den Sträuchern. Doch niemand ist in Sicht.

Zola fragt sich selbst wo sie sich verstecken würde. Sie schaut im hohen Gras und glaubt Chipo entdeckt zu haben. Doch zu Zolas Enttäuschung es handelt es sich nur um einen großen Stein. Zola hat schon oft Verstecken gespielt, aber hier kennt sich einfach noch nicht so gut aus. Plötzlich entdeckt sie Chipos Spuren im Sand. Sie senkt den Kopf und verfolgt die Spuren bis sie am Ufer des Badesees ist. Dort endet die Spur.

Zola: Komisch. Gestern waren wir doch an einer anderen Stelle baden. Hier ist doch niemand.

Zola ist ratlos und schüttelt den Kopf. Plötzlich hört sie ein leises Kichern und Schniefen im Wasser. Damit hat sich Chipo selbst verraten. Rasch sucht Zola im Wasser nach Chipo. Sie entdeckt einen Baum mit langen Ästen. Doch einer der Äste ist eigentlich ein Horn.

Zola: Hab dich Chipo! Im Wasser beim Baumstamm.

Chipo stapft aus dem Wasser. Das hat ihm Spaß gemacht. Zusammen mit Zola macht er sich auf die Suche nach Zuri. Die beiden suchen einen Baum nach dem anderen ab. Bislang keine Spur. Zola kneift die Augen zusammen und schaut ganz konzentriert. Es sind nicht mehr viele Bäume übrig. Plötzlich bleibt Zola stehen und dreht ihren Kopf ganz schief!

Zola: Hab dich Zuri. Auf dem Ast kopfüber!
Chipo: Auf dem Kopf?
Zuri: Ich bin eine Fledermaus.

Alle beginnen kräftig zu lachen. Jetzt muss Zuri suchen.

Zola schaut Chipo etwas ratlos an.

Chipo: Komm mit, ich zeige dir ein super Versteck.

Leise, aber trotzdem flott machen sich die beiden gemeinsam auf den Weg.

Zuri: 28, 29, 30. Achtung, ich komme!

Zuri fliegt empor. Schaut sich um und da hat sie die beiden auch schon entdeckt. Schulter an Schulter liegen sie in einem Gebüsch. Für ein Rhino vielleicht schwer zu finden, aber nicht für Zuri. Obwohl Zuri die beiden schon entdeckt hat entschließt sie sich in eine ganz andere Richtung zu fliegen. Sie findet es einfach zu schön, dass die beiden sich immer näherkommen.

Chipos Herz schlägt Purzelbäume, denn gerade hat Zola ihren Kopf auf seinen Huf abgelegt. Er kann Zolas Wärme und ihren schnellen Herzschlag deutlich spüren. In ihm breitet sich Zolas Wärme weiter aus. Mit dem Horn an seiner Nasenspitze streichelt er Zola sanft den Nacken. Als Zola tief in Chipos Augen schaut nimmt Chipo seinen ganzen Mut zusammen und küsst Zola. Beide werden rot im Gesicht.

Chipo: Ich habe dich lieb.
Zola: Ich dich auch Chipo!

Fünf Minuten später entscheidet sich Zuri zum Gebüsch zu fliegen und landet vor den beiden.

Zuri: Hab euch!

Die drei verlassen das Gebüsch gemeinsam. Zuri sitzt auf Chipos Kopf und Zola geht Schulter an Schulter mit Chipo. Ab und zu berühren sie sich ihre Körper ganz zufällig wie es scheint.

Zuri: Seid ihr zwei jetzt ein Paar?

Chipo und Zola schauen sich gegenseitig an, grinsen und nicken im gleichen Takt.

Zuri: Oh wie schön!

Die drei gehen gemeinsam zurück zum Badesee und faulenzen die restliche Zeit. Die drei plauschen noch bis sie müde sind und die Sonne in der Savanne aufgeht.

Ende